3 Königinnen - Foto Forum InterkulturalitätDIE DREI KÖNIGINNEN - (U) TOPOGRAFIE DER  GASTFREUNDSCHAFT IN DER  ALTSTADT

Die Linzer Altstadt ist mehr als nur Zwischenraum, ist Ausdruck einer Weltanschauung und Spiegel einer Gesellschaft: Tourismus und Migration, Tradition erhalten und Neues schaffen, Jugendliche und SeniorInnen, ManagerInnen und KulturaktivistInnen: Antagonismus konnte man in den letzten Jahren beobachten und wie die Welten aufeinanderprallten.

Gastfreundschaft als Politikum: Themen wie Angst, Grenze, GastarbeiterInnen, AsylantInnen, Festung Europa, Heimat, Differenz, Rassismus, Sexismus und Ort der Freiheit, Gerechtigkeit und Gleichheit für alle rücken in den Vordergrund. Gastfreundschaft wird zu einem politischen Begriff.

Im Zentrum des Projekts stehen die Interaktion und die Kommunikation zwischen BewohnerInnen und Besucherinnen. Die „drei Königinnen“ (eine dunkelhäutige Migrantin, eine junge Punkerin, eine Wirtschaftsfrau), gingen als Repräsentantinnen jeweils einer, meist als „fremd“ empfundenen Gruppe von 2. bis 12. Jänner 2009 in der Altstadt täglich von Tür zu Tür und läuteten/klopften an Wohnungen sowie Geschäften und Lokalen – sofern deren Tür das zuvor großflächig verteilte „Gastfreundschaftssiegel“ in Form eines Aufklebers trug. Sie baten um ein Zeichen der Gastfreundschaft, brachten aber selbst auch Gastgeschenke mit.

Die Tür-zu-Tür-Aktion wurde filmisch festgehalten. Jeder Tag wurde nach dem gleichen Muster gefilmt und begann mit einem Frühstück in der Bäckerei Gragger (ca. 9.30-11.00 Uhr), wo sich auch immer wieder viele JournalistInnen und andere am Projekt Interessierte einfachen. Danach begaben sich die „drei Königinnen“ auf die Suche nach den „Gastfreundschaftssiegeln“ an den Türen der Altstadt und baten nachmittags um Einlass und Gastfreundschaft.

Wer nicht zu Hause war oder mehr über das Projekt wissen möchte, konnte täglich ab ca. 19.00 Uhr zum Lokal des Vereins maiz kommen. Dort war das entstandene Filmmaterial des Tages vorerst ungeschnitten zu sehen und führte immer wieder zu angeregten Diskussionen. Eine Woche nach der Aktion sowie Anfang Februar 2009 fanden zwei Präsentationen der Projektergebnisse statt: Das geschnittene Filmmaterial, die Fotos, Eindrücke und Erfahrungen sowie die Geschichten zeigten, was Gastfreundschaft bedeuten kann und wie sie in der Alten Innenstadt und in Linz gelebt wird.

Auszüge aus dem Endbericht des Projektteams:

„Aber wisst ihr was? Herr Philipp (der technische Direktor des Landestheaters) war ein die gastfreundlichste Person, die wir in Linz getroffen haben. Wir wollen uns bedanken. Und auch bei dem alten Liebespaar mit Hund, sie haben uns gezeigt, dass sie außer mit Hunden auch sehr gut mit Kategorie Mensch umgehen können. ( Vielleicht weil sie auch eine Schwiegertocher aus Indien haben, die schon seit 20 Jahren in Linz lebt). Herr Thomas hat sehr gut für uns gekocht und sogar über Derrida philosopiert, Frau Baumgartinger hat unsere Geschenke geliebt.

Wir können hier noch unzählige Beispiele anführen, individuelle, punktuelle, aber keine fundierten Ergebnisse über die Gastfreundschaft in Linz. Solange dass Fremdenrecht nicht verändert wird.“ […]

„Wir, die Drei Königinnen fordern zuerst strukturelle, institutionelle, individuelle Bearbeitungen und Veränderungen von Rassismus.“

„Die Recherche der Drei Königinnen wird Teil der Geschichte der Minderheiten in Linz werden. Vielleicht wird sie nutzbar werden für offene Konflikte in der Altstadt. Etwa zwischen den fröhlich alkoholisierten Jugendlichen in der Altstadt und den sauberkeitsfanatischen PensionistInnen und GeschäftsinhaberInnen der Altstadt, oder zwischen den Mächtigen, die ihre Traditionen, Sicherheiten und Privilegien erhalten möchten und den Marginalisierten, die all das in Frage stellen und aus ihrer unsichtbaren Position herauskommen wollen.“